Nachrichten aus Japan

– Die Radioaktivität im Reaktor 1 des AKWs in Fukushima ist auf ein sehr hohes Level angestiegen. Diese Nachrichten sind schon beängstigend.

Aber, bitte bedenkt, diese Radioaktivität ist nur lokal in dem Reaktor. Im Reaktor 2 nebenan arbeiten weiterhin Leute. Also schon ein paar Meter weiter ist das Level ein völlig anderes.

– Es gibt kostenlose neue Pässe für Leute die ihren durch Erdbeben oder Tsunami verloren haben. Dieses Notfallgesetzt wurde letzte Woche erlassen.

– Es gab mindestens einen Todesfall eines Rollstuhlfahrers durch den Tsunami, weil die Strecke zum Evakuierungstreffpunkt keine Rampe hatte, also nicht behindertengerecht war.

Viele Orte in Japan sind nicht gehbehindertengerecht. Allerdings gibt es in letzter Zeit schon langsam ein Umdenken. Da ja die immer älter werdende Bevölkerung auch nicht mehr so gut zu Fuss ist, werden endlich Rampen gebaut und an den Bahnhöfen neue Fahrstühle eingebaut.

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3 Antworten zu “Nachrichten aus Japan

  1. Oh, wie Recht du mit dem nicht behinderten-/altersgerecht hast. Ich habe mal aus Spass die Stufen gezaehlt, die ich gehen musste, wenn ich von unserer natuerlich auch nicht behindertengerechten Wohnung in die Stadt wollte: Es waren knapp 200. Und die riesige Treppe ueber die Schienen hinweg fand ich z.B. als Schwangere auch ziemlich unangenehm.

    Uebrigens wurde vor 5 Jahren der alte Bahnhof bei uns umgebaut, und als ich nach einem Fahrstuhl/Rolltreppe fragte, wurde nur etwas unglaeubig mit dem Kopf geschuettelt. Und dank dieser Einstellung darf ein Rollstuhlfahrerfreund von mir immer 2 km bis zum naechsten Bahnhof fahren und muss auch immer vor Dienstende wieder zu Hause sein (20.00 Uhr), obwohl er direkt einen Bahnhof vor seiner Haustuer hat. Aber dazwischen liegen leider 15 sehr steile und enge Stufen, wo man ihn nicht einmal hochtragen konnte. Und wenn er am Hauptbahnhof umsteigen wollte, gab es leider einen Bahnsteig ohne Rolltreppe (Fahrstuehle gibt es gar nicht). Und da kamen dann 4 starke junge Angestellte von JR und trugen ihn dann die Treppe rauf und runter. Durch die Form des Rollstuhls sah das immer aus, als ob er ein Koenig auf dem Thron sei. Wenn das nicht so traurig gewesen waere, haette man einfach nur herzlich darueber lachen koennen, was er aber sogar nach dem Anschauen des Fotos auch machen musste.

    Den Erzaehlungen zufolge scheint es in Tokyo und Umgebung schon ganz gut auszusehen, aber in der Provinz, selbst in relativ grossen Staedten ist man als Behinderter noch ziemlich aufgeschmissen.

    Uebrigens faellt mir noch ein, dass die Stadt Oita einen Plan mit „barrierefreien Einrichtungen“ herausgegeben hatte. Leider stellte sich dann aber sehr oft heraus, dass der Freund von mir trotzdem nicht reinkam, weil zwar innen alles umgebaut wurde, aber dann leider schlechthin uebersehen wurde, dass es vor der Tuer ja noch die ueblichen 2-3 Stufen gab. Ohne Rampe natuerlich! Aber auch er erzaehlte, dass er und seine Leidensgefaehrten das immer melden und viel in der Richtung machen, dass es trotzdem schon im Vergleich zu vorher viel, viel besser geworden ist.

    ****
    Aber so etwas hat das angeblich so viel bessere Deutschland auch zu bieten. Da wurde fuer 50 Mio. der Uelzener Bahnhof im Hundertwasserstil umgebaut, aber als ich wegen des zu transportierenden Fahrrads nach dem Fahrstuhl fragte, wurde mir gesagt, so etwas passe nicht in das Design. (O_O) Und dank der unorthodoxen Formen darf natuerlich auch der Boden nicht eben sein, weswegen mein gezogener Koffer staendig dicht am Umfallen war. Wie mag es da erst Rollstuhlfahrern gehen? Aber die kommen ja nicht einmal die Treppe hoch, daher werden sie das Problem eher auch nicht haben.

    • Ja, hier ist es schon schlimm. Aber bei euch im Inaka sicher noch schlimmer. Die Leute denken einfach nicht ueber ihren Tellerrand.
      Was ueber diese klitzekleine Stufe kommt man mit dem Rollstuhl nicht? Dann koennen sie also nicht teilnehmen?
      naja, langsam seeeehr langsam wird es aber besser.

      • Ich glaube, teilweise ist es nicht unbedingt das Tellerrandproblem, sondern auch ein „In-wie-weit-lohnt-sich-das?“-Problem. Schau mal, in Oita wohnen etwas ueber eine Million auf einem Gebiet, wo bei euch ca. 30 Mio. wohnen. Und um mal konkrete Zahlen zu nennen, die Blindengrundschule hat hier 3 Schueler, die Mittelschule ganze 2. Fuer die 5 Leute plus die Handvoll, die dann in 15 Jahren an Altersdiabetis etc. erblinden saemtliche Automaten auf blindengerecht umzustellen oder selbst nur prophylaktisch saemtliche Dokumente auch in Blindenschrift zu uebersetzen und einen Blindenschriftexperten anzustellen rechnet sich hinten und vorne nicht. Oder wegen dem einen moeglichen zusaetzlichen Rollstuhlfahrergast schnell mal 100.000 Yen oder mehr fuer ne Rampe auszugeben, dazu gehoert schon ganz schoen viel Menschenliebe oder ein strenges Gesetz mit der dazugehoerigen finanziellen Unterstuetzung.

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