Archiv der Kategorie: Nach dem Beben

Das Erdbeben erlebt in Yokohama von Herrn Y.

Als das Erdbeben kam, arbeitete ich in meiner Zahnarztpraxis mit drei Mitarbeitern und meiner Frau. In der Praxis gab es einige Patienten und ich bin bei der Behandlung. Um 14:46 fühlte ich ploetzlich einen relativ starken (Erd) Schwung. Aber ich bin an solche Schwingungen in Japan bereits gewoehnt. Ich hoerte mit der Behandlung auf und bat meine Zahnarzthelferin, sie moege das Gas abschalten. Das Beben dauerte und wurde stärker. Dann musste ich mich sogar am Behandlungsstuhl abstützen, so stark war es. Die Menschen in der Praxis sahen sich vor Schrecken an und die Spannung erhoehte sich. Aber es gab kein Chaos. Als das Beben zu Ende war, waren alle in der Praxis zum Glück in Ordnung und es war nichts aus den Regalen gefallen.

Gleich danach fingen die Sendungen im Fersehen über das Erdbeben an. Daher erfuhr ich, dass das Epizentrum am Meeresgrund oestlich von der Miyagi Präfektur lag und die Stärke des Bebens riesig war. Weiterhin hoerte ich, dass für das gesamte Küstengebiet eine Tsunami- Warnung galt.

Ich behandelte schnell bis 16:30 Uhr alle Patienten, die einen Termin an diesem Tag hatten. Dann lies ich zwei Zahnarzthelferinnen und einen Zahntechniker früher nach Hause gehen, weil über ein Verkehrschaos im Kanto-Gebiet (Tokio und Umgebung) berichtet wurde. Zu diesem Zeitpunkt gab es auch schon die furchtbaren Bilder vom Tsunami, die immer und immer wieder im Fersehen gesendet wurden. Die Bilder überzeugten mich davon, dass das schlimmste Ereignis  in meinem Land passierte.

In der Nähe meiner Praxis gab es einen schrecklichen Verkehrsstau und in der Ladenstrasse versagte die Elektrizität. Die U-Bahn fiel aus. Der Zahntechniker und eine Helferin wohnen nicht so weit von der Praxis entfernt. Sie konnten zu Fuss nach Hause gehen. Das dauerte ca. 2-3 Stunden. Aber eine Zahnarzthelferin wohnt ein bisschen weiter weg. Sie war schon unterwegs nach Hause, aber dann kam sie noch einmal zur Praxis zurück, denn um die U-Bahn Station gab es zu viele Leute und wegen des Stromausfalls war es dort ganz dunkel. Da hatte sie Angst und übernachtete in der Praxis.

Mein Haus steht neben der Praxis. Deshalb hatte ich selbst keine Probleme mit dem Heimweg. Nach den Vorbereitungen des Abendessens und Bettes für die Helferin, sah ich zu Hause fern. Immer wieder zeigten die Nachrichten Schreckensbilder des heftigen Tsunamis. Diese Bilder schockierten mich sehr.

Mein Sohn hatte gerade Frühjahrsferien und war zum Zeitpunkt des Bebens in Yokohama unterwegs. Aber nicht weit von zu Haus. Deshalb kam er am Abend ohne Probleme nach Hause. Meine Tochter erlebte das Beben in ihrer Universität in der  Chiba Präfektur. Ich konnte mit ihr per E-Mail Kontakt aufnehmen und mich von ihrer Unversertheit überzeugen. Sie wollte nach Hause zurückkommen, aber das war unmoeglich, da die Bahnen nicht fuhren. Sie musste also dort in ihrer kleinen Wohnung bleiben, bis sich das Verkehrschaos etwas gebessert hatte.

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„Über das Erdbeben am 11.März“ von M.

An dem Tag war ich in meinem Unterrichtszimmer bei Takanawadai-Station.

Als das Erdbeben kam,war ich allein. Ich bin nah vom Pianino gestanden,und am Anfang habe ich es festgehalten. Aber das Schwanken ist immer stärker geworden,dann habe ich gedacht, neben dem Pianino zu stehen ist gefährlich, falls es umfällt.

Die Gegend bei Takanawadai-Station hat den guten festen Boden, daher war das Beben nicht so schlimm. Nachdem das Beben aufgehört hatte, habe ich gedacht,wenn hier so ein Großbeben ist, könnte an irgendeinem Ort des Hypozentrums ein schreckliches Erdbeben sein.

Mit dem Handy habe ich ferngesehen, und erfahren, dass das ganze Gebiet Tohokus ein starkes Beben hatte,und in kurzer Zeit Tsunamis kommen.  Aber ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass die Tsunamis so riesig sind.

Ich habe an meine Mutter, eine Handy-Mail geschickt, weil ich mir um sie Sorgen gemacht habe. Sie wohnt in Ibaraki-Präfektur, die südlich von Fukushima liegt. Gott sei Dank habe ich von ihr bald eine Antwort zurückbekommen, obwohl damals die telefonische Verbindung sehr schlecht war. Der Arbeitsplatz von meinem Mann liegt im Zentrum von Tokio, daher habe ich gedacht, dass mit ihm nichts schlimmes passieren könnte.

Die Bahnen sind nach dem Erdbeben stehengeblieben. Aber nach 22Uhr war meine Linie teilweise wieder in Betrieb. Ich bin mit dem Bahn bis dahin gefahren, wohin ich konnte (5 Stationen vor meiner fuhr die Bahn nicht mehr weiter). Von der Station bis nach Hause bin ich eineinhalb Stunden zu Fuß gegangen.   Unterwegs gab es ein netter Mann, der mit einem Plakat auf der kalten Straße gestanden ist, darauf war der Satz „ Benützen Sie bitte die Toilette meines Hauses“. Denn damls sind sehr viele Leute um Mitternacht zu Fuß nach Hause gegangen.

Die Bahnen waren ein paar Tagen nicht in Ordnung, und nur wenige Wagen sind gefahren. Daher war der Bahnsteig in der morgigen Stoßzeit überlaufen. Als die Bahn in den Bahnhof eingefahren ist und die Tür geöffnet hat, haben alle versucht, in die Bahn hineinzukommen. Dann wurden Vornestehende von Hinteren gestoßen. Das Stoßen war nicht absichtlich, nur die Tür war zu klein, oder es waren zu viele Leute, aber einige Frauen, die gestoßen wurden, haben geschrien. Als ich das Schreien gehört habe, habe ich Angstgefühle bekommen. Ich dachte, man geriet leicht in Panik, wenn die Leute aufgeregt sind. Deswegen ist es wichtig, gelassen zu bleiben.

Nach dem Großbeben konnte man Mineralwasser in Tokio nur sehr schwer bekommen, weil wegen Fukushima das Leitungswasser verseucht war, und alle es kaufen wollten. Mineralwasser zu kaufen wurden die Leute bevorzugt, die kleine Kinder haben, weil kleine Kinder stärker durch die Radioaktivität geschädigt werden könnten, als die anderen. Damals sind ich und mein Mann mehrmals in die Berge rund um Tokio mit vielen leeren Plastikflaschen gefahren, und dort  Quellenwasser zu schöpfen. Es war sogar ein gutes Training für das Bergsteigen, weil die Plastikflaschen mit vollem Wasser sehr schwer geworden sind!

Ich denke jetzt, dass ich mehr von der Sache in bezug auf Atomkraftwerke wissen und dagegen etwas tun muss.

Das Erdbeben und danach von Herrn N. aus Tokyo

1. Der 11. März

Den sonnigen Freitagnachmittag habe ich in deutlicher Erinnerung. Ich spürte den Fußboden unter meinen Füßen schwanken, als ich im Büro im Parlaments- und Regierungsviertel in Chiyoda-ku an meinem Lap-Top-Computer arbeitete. Das Schwanken dauerte, so kam es mir vor, außergewöhnlich lange. Das erdbebensichere Gebäude aus Stahlbeton knirschte zwar nicht, aber das langsame, andauernde Schwanken machte mich unwohl, wie bei der Seekrankheit.

Bei der Arbeit schauten einige Kollegen und ich gerade der Liveübertragung der parlamentarischen Beratung zu, die plötzlich unterbrochen wurde. Jemand hat den Fernsehkanal gewechselt. In diesem Moment stellte ich mir nicht vor, dass es sich um das größte Erdbeben in den letzten Jahrhunderten handelt. Da es zu jener Zeit viel zu erledigen gab, arbeitete ich daran wie üblich weiter. Im Rückblick würde ich sagen, ich hätte mich anders verhalten können. Kurz nach dem Beben konnten wir allerdings das Ausmaß und die Komplexität der Katastrophe nicht erfassen.

Als wir den Nachrichtenbildern zuschauten, ist es uns allmählich klar geworden, dass es sich um eine unerhörte Naturkatastrophe handelt. Auf dem Bildschirm erschien eine unglaubliche Szene nach der anderen; überschwemmte Flüsse, zerstörte Bollwerke und fließende Häuser.  Mit meinen Mitarbeitern sah ich ratlos zu. Von den apokalyptischen Bildern konnte ich kein Auge wenden. Besonders beeindruckend war mir der Brand an der Ölraffinerie in Chiba, der erst ein paar Tage später unter Kontrolle gebracht werden konnte.

Etwa zwei Stunden nach dem Beben kam der Zugverkehr in Tokio zum Erliegen. Es wurde am Arbeitsplatz durchgesagt, dass jeder Mitarbeiter nach Möglichkeit die Arbeit beenden und sich auf den Weg nach Hause begeben soll.

Im Laufe der Zeit strömten Pendler auf den Straßen im Tokioter Stadtzentrum. Die Menschenwelle konnte nur langsam vorangehen und beeinträchtigte dabei den Autoverkehr massiv. Der damalige Regierungssprecher Edano bat auf der Pressekonferenz die Bürger, in Ruhe zu handeln und eine Weile im Büro, wenn es dort sicher ist, zu bleiben.

Erst gegen 9 Uhr verließ ich also das Büro. Ich ging zu Fuß nach Hause. Ich kannte meinen Weg nach Hause gut und wusste, dass es unter den normalen Umständen knapp anderthalb Stunden dauert. Wegen der Menschenmasse konnte ich jedoch nur langsam vorangehen. Auf dem Weg versuchte ich vergeblich, mit meiner Frau Kontakt aufzunehmen. Sie musste in ihrem Büro nahe Ueno oder auf dem Heimweg sein. Das Telefonnetz schien immer noch lahm zu liegen.

Die Leute um mich sahen alle auf den ersten Blick beherrscht, aber einigermaßen besorgt und erschöpft aus. Frauen in hochhackigen Schuhen hatten Schwierigkeiten, lange Strecke zu gehen. An den Restaurants und Lokalen im Tokioter Vergnügungsviertel Roppongi gab es Leute, die das Abendessen genossen (und wahrscheinlich so darauf warteten, dass der Zugverkehr wieder in Betrieb genommen wird).

Ich kam durch die schmale Fußgängerzone im Aoyama-Tunnel und das Zentrum von Shibuya, wo es ohnehin viele Einkaufsbummeler und junge Leute gibt, nach Ikejiriohashi, eine Station von Shibuya entfernt. Am Supermarkt in der Nähe meiner Wohnung machte ich Einkäufe für das verspätete Abendessen, bevor das Regal leer wurde. Es gab keine große Panik. Es war schon viertel nach elf, als ich erschöpft nach Hause gelangte. Es dauerte also gut zwei Stunden. Meine Frau war nirgendwo zu sehen, nur die Handtasche meiner Frau war auf dem Sessel im Wohnzimmer. Sowohl unsere Mietwohnung als auch die Möbel, sowie das Geschirr waren fast unversehrt. Der nagelneue, flache Digitalfernseher war zum Glück nicht umgefallen. Bald kam meine Frau vom Einkauf zurück. Aufgeregt erzählte sie mir, dass sie im Büro sicher gewesen war und gut drei Stunden laufen musste. Wir konnten auf jeden Fall zusammen Luft holen.

An jenem Abend blieben wir bis spät in die Nacht auf, um die Nachrichten zu verfolgen. Mehrere Nachbeben hielten uns sowieso wach.

2. Die Folgezeit

Die Katastrophe zeitigte schwere Folgen, die nicht nur vom Erdbeben von der Stärke 9.0 auf der Richter-Skala und dem haushohen Tsunami sondern auch der Haverie vom Reaktor des AKW Fukushima-Daiichi ausgelöst wurden. Unser Alltagsleben blieb selbstverständlich davon nicht unbeeinflusst.

In der Folgezeit wurden planmäßige (rationsmäßige) Stromunterbrechungen von der Elektorizitätsgesellschaft Tepco durchgeführt. Glücklicherweise (und aus ungewissem Grund) ist in unserer Wohngegend in Meguro-ku der angekündigte Stromausfall kein einziges Mal eingetreten. Wir mussten uns jedoch auf die möglichen Stromausfälle einstellen. Als sich der Sommer näherte, wurden wir zum Energiesparen aufgefordert. Ich habe zum Beispiel zu Hause die Beleuchtung auf ein Minimum reduziert, auf den Fahrstuhl verzichtet (vor allem wenn ich allein war) und so weiter.  Es bereitete mir aber keine große Schwierigkeit, da ich schon früher Energie zu sparen pflegte und die Solidarität mit den Katastrophenopfern mich motivierte. In den öffentlichen Einrichtungen (wie unserer Behörde) wurde noch kräftiger Strom gespart. Als ich ein anderes Ministerium besuchte, ging ich bis zum 10. Stock die Treppe hoch, so dass ich beim Ankommen außer Atem kam. Es war und ist meiner Meinung nach von Bedeutung, sich nicht zu überanstrengen. Sonst hätten der Energiesparversuch und somit die Solidarität nur ein kurzes Leben.

Zudem entstanden Versorgungsengpässe von Gemüse und anderen Lebensmitteln, nachdem sich die vom beschädigten Reaktor freigesetzte Radioaktivität bis zu den benachbarten Präfekturen verbreitete. Es gab im Supermarkt zwar noch Gemüse und Obst aus Fukushima und Ibaraki, dem Gemüseanbaugebiet und der Versorgungsquelle für die Kanto-Region(um Tokio). (Fische und andere Meeresprodukte aud dieser Region waren kaum zu finden, da die Küstenstädte mit ihren Häfen überschwemmt worden waren.) Während das Landwirtschaftsministerium Ernte- und Verkaufverbot für einige Blattgemüsesorten anordnete, waren nicht kontaminierte Agrarprodukte weiter im Handel. Aber die unsichtbare Strahlung und das Durcheinander der Informationslage änderten das Kaufverhalten der japanischen Verbraucher. Manche Hausfranen vermieden Agrarprodukten aus dem betroffenen Gebiet, meist aus Angst vor den möglichen schädlichen Folge für die Gesundheit. Es tat mir Leid, als ich an die Landwirte und deren Bemühungen um die Sicherheit dachte. In dieser Situation startete der Supermarkt in meiner Nachbarschaft die Sonderverkaufsaktion von Agrarprodukten aus dem Gebiet, um die Betroffenen zu unterstützen. Die Aktion fand bei manchen Kunden Resonanz. Ich ging davon aus, dass die im Handel befindlichen landwirtschaftlichen Produkte bereits auf die Sicherheit geprüft worden waren, und verließ mich gelassen auf die Anbauer. Ich folgte also dem weit verbreiteten Kaufverhalten nicht und entschied mich vielmehr verstärkt für das Gemüse aus Fukushima oder Ibaraki.

Auch am Arbeitsplatz erlebte ich einige Änderungen. Erstens musste der Zeitplan unserer Arbeitsführung korrigiert werden und der bevorstehende Kabinettsbeschluß auf unbestimmte Zeit verschoben werden, da in der Regierung der Umgang mit der Katastrophe die höchste Priorität bekam. Zweitens wurden einige Mitarbeiter wie ein Blitz aus heiterem Himmel von unserem Büro versetzt, um das Personal für die Arbeit für Katastrophenopfer zu verstärken, und ihre Arbeitspensa haben wir Zurückbleibende übernommen.

Die größte Änderung war unter anderem, dass ich viel früher nach Hause komenn konnte. Ich war bis dahin stark beansprucht, hatte täglich bis gegen 12 Uhr in der Mitternacht geschuftet, in der direkten Folgezeit nach dem Erdbeben konnte ich hingegen zwei bis drei Stunden früher, einmal sogar gegen sechs Uhr,  das Büro verlassen, um den Energieverbrauch zu senken. In diesem Sinne kam es allerdings innerhalb einigen Tagen zur “Normalität”.

Am Arbeitsplatz sowie auf der Straße wurde für die Katastrophenopfer gespendet. Ich habe einige Male gespendet. Zum Wiederaufbau von Tohoku habe ich aber sonst keinen nennenswerten Beitrag geleistet. Deswegen schäme ich mich noch ein bisschen. Ich habe mich aber prinzipientreu nicht überanstrengt (vielleicht nicht einmal anstrengt). Ich wollte kein erbarmungsloser Mensch werden, zugleich aber nicht heuchlerisch werden.

Als Bierliebhaber habe ich also verstärkt Bier aus Tohoku konsumiert, am Lokal, beim Bierfest und zu Hause. (Ich sammle übrigens Bieretikette aus ganz Japan und aus der Welt, trinke deshalb verschiedene Marken.) In Tohoku-Region gibt es mehrere ausgezeichnete Kleinbrauereien, Tono in Iwate Präfektur ist zudem eines der bekannten Hopfenanbaugebiete in Japan. Erfreulicherweise nahmen viele Lokale Sake aus Tohoku in ihr Getränkeangebot auf oder bauten das Sortiment aus, so dass ich verschiedene Sakes probieren konnte. Das war ein besonderer Genuss für mich.

3. Gegenwart und Zukunft

Ich habe weder Freunde noch Verwandte in Tohoku. Meine Eltern leben wohl in Shizuoka, westlich von Tokio. Mein Leben wurde, abgesehen von der Besoldungskürzung von 8 % für Staatsbeamte, von der Katastrophe kaum schwer betroffen. In diesem Winter wurde keine Einschränkung von Stromverbrauch verhängt, obwohl Fahrstühle rauf und runter fahren und Lichter im Vergnügungsviertel wie immer durch die ganze Nacht funkeln. Von dem zur Kirschblütenzeit im letzten Frühling weit verbreiteten Jishuku, oder dem selbst auferlegten Verzicht, ist heute kaum zu hören. Es besteht immer Gefahr, dass mein Gedächtnis von der Katastrophe im hektischen Alltagsleben nach und nach verblasst.

Aber das Ende des Verstrahlungsproblems und Wiederaufbaus ist noch kaum in Aussicht gestellt. Die Langzeitfolgen der Katastrophe für die betroffenen Regionen und Japan insgesamt sind noch nicht ganz abzuschätzen. Die Herausforderung vor uns ist nach wie vor aktuell. Meine Heimat und Tokio liegen beide in den von den möglichen Megabeben gefährdeten Regionen,

Wie das Editorial der  Yomiuri-Shimbun Zeitung vom 11.3.2012 schrieb, werfen das Großerdbeben und die Nuklearkatastrophe zwei Fragen auf; Sind wir seitdem klüger geworden?  Sind wir seitdem netter und freundlicher geworden?   Zwei Fragen stellen sich immer wieder. Solange es so bleibt, will ich jederzeit darüber nachdenken, was ich tun kann und das umsetzen.

Der 11.3.2011 im Buero in Tokyo von Y.

Es war kurz vor 15:00 Uhr, und ich war im Buero. Ich warein bisschen muede (wie immer…?) und wollte eine Tasse Kaffee trinken. Da hat es ploetzlich angefangen, heftig zu schwanken.

Schon lange hat man in Japan gesagt, dass ein grosses Erdbeben in Kanto oder Tokai Gebiet  passieren soll, dessen Epizentrum suedlich oder westlich von Japan ist.

*Kanto und Tokai Gebiet liegen suedlich vom Katastrophengebiet vom 11.3.2011.

In Japan passiert oft kleines Erdbeben und wir Japaner sind schon daran gewoehnt. Aber ein so grosses Erdbeben habe ich noch nie erfahren.

Weil es so stark geschwankt hat, habe ich geglaubt, dass dieses Erdbeben schliesslich das erwartete starke Beben ist.

Waehrend des Erdbebens habe ich aus dem Fenster gesehen, dass das hohe Gebauede schwankt, das gegenueber dem Gebaeude steht, in dem sich mein Buero befindet. Und ich bin unter den Tisch gekrochen. Das Schwanken dauert lange.

→ Da habe ich mir Sorgen gemacht, ob mein Vater sicher ist. (Ich wohne mit meinem alten Vater zusammen.)

Mein Buero liegt in der 16.Etage und hat heftig geschwankt. Die Stuehle, auf dennen keiner mehr sass, sind im Buero hin und her gerollt. Trotzdem wurden die Sachen im Buero dabei “anscheinend” kaum zerstoert. Alles, z.B. Bueroschrank, PC, Kopie-Maschine usw., ist stehengeblieben.

Ich war mit vielen Mitarbeitern zusammen. Deshalb habe ich da vor dem Erdbeben keine Angst gehabt. Wenn ich allein zu Hause gewesen waere, haette ich davor grosse Angst…

Nach dem Erdbeben habe ich bemerkt, dass unsere PCs nicht funkionieren! obwohl kein PC umgefallen ist. Bei uns benutzen wir PCs, in denen man keine Informationen speichert.

Sondern PC ist nur solches Geraet, mit dem man die Informationen holt, die man woanders speichert. (sogenannt “Cloud Computer”) Die Informationen wurden beim Erdbeben geschuetzt. Aber das Kabel wurde geschaedigt, das die Informationen und PC verbindet. Dann konnten wir von da an im Buero alle Funktionen von unserem PC nicht mehr benutzen. Also, nicht nur Internet und Mail, sondern auch “Word” “Excel” usw. Ohne PC koennen wir nicht mehr arbeiten.

→ Bis dahin habe ich nie daran gedacht, dass PC schon auf uns so grossen Einfluss hat.   Ich habe ihhn immer nur als ein praktisches Geraet, durch das man jeder Zeit noetige Informationen bekommen kann, gesehen. Aber in der Wirklichkeit richten wir uns nach PC…?

Dann haben wir im Buero angefangen, zu plaudern und Suessigkeit zu essen. Die Atmosphaere war im Buero optimistisch. Irgentwie wie bei einem Ausflug.

→ Da habe ich mich lustig gefuehlt!

Wir haben ganz einfach geglaubt, dass das Erdbeben schon vorbei ist, und unsere PCs in einigen Minuten wieder funktionieren wird. Und alles wird bald in Ordnung werden. Sowieso haben wir keine Informationen gehabt. Und wir haben gar nicht gewusst, was passiert ist.

Aber nach mehreren Minuten hat der PC immer noch nicht funktioniert. Dann haben einige Mitarbeiter von mir angefangen, mit dem Handy, mit dem man fernsehen kann, fernzusehen. Und sie haben uns mitgeteilt, dass es in Nordost Japan “Tsunami” passieren soll. Dannach wurde die Szene im kleinen Bildschirm vom Handy gezeigt, dass der “Tsunami” alles ueberfliesst.

→ Als ich diese Szene gesehen habe, konnte ich nicht glauben, dass das die Wirklichkeit ist.

Das hat so ausgesehen,wie eine Szene von einem Film. Aber das war die Wirklichkeit!

Und im Buero wurde es uns mitgeteilt,dass alle oeffentlichen Verkehrsmittel in Tokio halten!

→ Dann habe ich erst bemerkt, dass etwas wirklich Schlimmes passiert ist. Und ich habe da nach dem Erdbeben zuerst ein bisschen Angst bekommen.

Die Atmosphaere im Buero hat sich veraendert. Das Telefon hatte auch keine Verbindung. Was passierteigentlich? Ohne Internet und Mail, ohne Telefon konnten wir die richtige Situation nicht erfahren.

Das war ein Grund meiner Angst.

Ich bin dann zu Fuss vom Buero nach Hause zurueckgegangen. Ich wohne releativ nah vom Buero. Nur eine Stunde hat es gedauert, nach Hause zukommen. Aber viele Mitarbeiter, die vom Buero weit entfernt wohnen, sind mehrere Stunden gelaufen, um nach Hause zurueckzukommen. Und die Mitarbeiter, die sehr weit entfernt wohnen, haben im Buero uebernachtet.

Die Suessigkeit, die wie kurz nach dem Erdbeben genossen haben, ist fuer sie zum fuer die Uebernachtung noetigem Lebensmittel geworden. Viele Leute, die da beschlossen haben, im Buero zu uebernachten, oder bis zum Spaetabend zu bleiben, wollten sich mit dem Lebensmittel versorgen. Dann gab es in den Geschaeften einige Stunden nach dem Erdbeben keine Lebensmittel mehr. Ausserdem befindet sich mein Buero in der 16.Etage. Und nach dem Erdbeben ist der Fahrstuhl nicht mehr gefahren. Deshalb, wenn man einmal zum Erdgeschoss hinuntergeggangen ist, musste man zu Fuss wieder rauf steigen. Aber das ist eine Strapaze.

Gott sei Dank! In meinem Haus wurde fast nichts beim Erdbeben beschaedigt. Zu Hause habe ich im Fernsehen gesehen, was passiert ist. Da habe ich erst erfahren, dass das Erdbebn viel groesser war, als das Beben, das im Jahr 1995 in Hanshin (Kobe) passiert ist.

Und das Epizentrum war nicht suedlich oder westlich von Japan, sondern nordoestlich von Japan.

Im Nordosten Japans erleiden viele Leute einen enormen Schaden. Der Zustand vom Katastrophengebiet spottet jeder Beschreibung. Und an diesem Tag ist auch ein kleines Erdbeben  in Tokio oft passiert.

*Tokio liegt einige hundert km weit entfernt vom Epizentrum.

→ Da habe ich die Situation erst verstanden, und davor Angst gehabt, dass ganz grosse Erdbeben erst noch kommen wird!

Am naechsten Tag, also am 12.3.2011, haben fast alle oeffentliche Verkehrsmittel in Tokio immer noch gehalten, und es wurden viele Geschaefte geschlossen. Das war Samstag.

Dann wurde in den Medien darueber berichtet, dass das Atomkraftwerk in Fukushima vom „Tsunami“ beschaedigt wurde und viel Radioaktivitaet daraus ins Freie fliessen soll. Und viele Regierungen haben ihren Landsleuten in Japan vorgeschlagen, dass sie von „Fukushima“ und auch aus Japan fluechten sollen. Aber die japanische Regierung und das Ministerium, das dafuerzustaendig ist, haben darueber fast keine Informationen veroeffentlicht, und immer gesagt.

Die Menge von der Radioaktivitaet ist nicht so viel und hat keinen „sorfortigen“ Einfluss auf den Koerper.

→ Ob es in Tokio vor der Radioaktivitaet sicher ist? Und was bedeutet „nicht ab sofort“?

Die Angst vor der Radioaktivitaet war viel groesser als die Angst vor dem Erdbeben. Sowieso konnten wir Japaner ueber Radioaktivitaet keine genaue Informationen bekommen.

Dann…, weil ein Atomkraftwerk ausser Betrieb gesetzt wurde, hat es uns in grossen Gebiet, inklusive Tokio, an Elektrizitaet gemangelt. Daher, um Elektrizitaet zu sparen, hat man nach der Anweisung von der Regierung das Licht ausgemacht. Bis dahin war es in Tokio auch in der Nacht wegen der Beleuchtung ganz hell. Aber danach wurde die Beleuchtung gedimmt.

Und, weil die Strassen, Fabriken usw. im Norosten Japans vom Erdbeben und Tsunami beschaedigt wurden, wurden die Transport und die Versorgung mit den Waren auch abgebrochen.

Dann, einige Tage nach dem Erdbeben gab es auch in Tokio im Supermarkt fast keine Waren mehr. Bis dahin gab es imer noch Waren.

→ Als man es angefangen hat, die Beleuchtung zu hemmen, habe ich mich gefuehlt, dass es zu dunkel ist. Weil ich an das helle Licht gewoehnt war, das man eigentlich nicht braucht. Aber nach und nach habe ich mich an das dunklere Licht gewoehnt. Und jetzt fuehle ich mich angenehm, wenn das Licht nicht so hell ist, wie frueher.

In Tokio gab es immer die Sachen, die man brauct. Deshalb habe ich bis dahin nicht ernsthaft gedacht, dass es uns in Tokio an Sachen, besonders Lebensmitteln mangeln koennte.

11.3.2011 war fuer mich eine Gelegenheit, dass ich daran denke, was ich bis dahin nicht ernst gedacht habe, weil das fuer uns normal Alltag war. Aber die Bequemlichkeit von unserem Leben wird ganz einfach abgebrochen.

◆Dann, danach habe ich mir fuer den Notfall einige Sachen besorgt.

im Buero: „Sneaker“ und Socken  um nach hause zu Fuss zurueckzugehen

Hoffentlich brauche ich das niemals zu benutzen.

zu Hause: einige Flaschen Wasser

Und ich lade jetzt die Batterie vom Handy oft auf.

Das Erdbeben erlebt in der Saitama Präfektur von Mayumi S.

Meine Tochter ist wie gewöhnlich am Morgen in den Kindargarten gefahren. Ich habe Deutchunterricht am Vormittag gemacht. Sie ist dann am Mittag nach Hause zurückgekommen.

Nach dem Mittagessen, sind wir zur Fahrradreparaturwerkstatt gegangen.

Wir sind jeder mit demFahrrad nach Hause gefahren.

Vor dem Haus (unser Hause ist vierzehn geschossig Dienstwohnung), gerade aus, habe  ich einen sonderbaren Ton gehört, da sind viele Leute aus ihren Wohnung gegangen.

Bäume haben nach rechts und links geschwungen.  Autos sind aufgesprungen….

Wir sind auf dem Spielplatz (vor der Dienstwohnung) geblieben.

Ein paar Stunden später, gab es wieder ein Erdbeben . Wir sind bis um 4 Uhr auf dem Spielplatz geblieben. Dann hat meine Tochter gesagt, “Mir ist kalt“. Nach langen Zaudern, sind wir nach Hause zurück gegangen.

In Haus, sind zwei Flaschen Wein und drei Platten zerschellt.

Wir haben dann ferngesehen.  In diesen Augenblick habe ich verstanden…was wirklich passiert ist …

Ich habe lange Zeit Tunami und Erdbebenbild ferngesehen.(Meine Tochter hat Doughnut gegessen ,dann hat sie wie ein Stein geschlafen)

Ja, mein Mann ist drei Tage lang nicht nach Hause gekommen.

Vom Vorbeben ganz zu schweigen, habe ich mich den Kopf über absichtlich Elektrizität zerbrochen. Wir haben jeden Tag Bad genohmmen und Onigiri oder Chinesich gebratenen Reis gegessen.

Als ich zu mir kam, hat Vorbeben sich verkleinern und es ist heute Verlauf von ein Jahr…

In den letztenWochen habe ich Notessen von neuem vorbereitet. Aber ich weiß nicht, kann ich wirklich auf das nächste große Erdbeben vorbereitet sein oder nicht.

Wir vergessen nicht!

Gestern gab es hier auf einer Freiflaeche vor dem Bahnhof eine Gedenkveranstaltung zum 11.3.2011, aber gleichzeitig auch eine Art Kinderfest.

Hier steht ganz gross „Wir vergessen nicht“! Und es werden Bilder von Freiwilligen gezeitgt, die im Katastrophengebiet geholfen haben.

Fuer die Kinder gab es eine Freiluftbibliothek mit Bildern von der Situation und dem zerstoerten Zustand von Bibliotheken in Nordjapan.

Hier konnten die Kinder Briefe an Kinder in Nordjapan schreiben.

„Ich will einfach nur vergessen

Und mein Leben moeglichst normal weiterleben“, sagte heute eine Freundin zu mir, die ich auch gebeten hatte, etwas ueber das Erdbeben und die Zeit danach zu sagen. Leider fuehlt  sie sich emotional nicht in der Lage etwas dazu zu schreiben. Zu tief sitzt der Schock. Sie und ihre Familie haben das Erdbeben in Tokyo erlebt und einigermassen gut ueberstanden, aber die Bilder vom Tsunami und den Tod so vieler Menschen, kann sie nicht ertragen und moechte sich nicht mehr damit beschaeftigen.

Ich denke, dass ist auch eine Art mit der Katastrophe umzugehen. Und wie ich finde ein gutes Beispiel, dass die Japaner sehr wohl sehr emotional reagieren. In den deutschen Medien wird ja oft berichtet, die Japaner seien stoisch fast emotionslos. Aber das ist nur das aeussere Bild. Und wenn sich die deutschen Journalisten davon beeindrucken lassen und nicht tiefer nachfragen, vielleicht auch nicht nachfragen koennen, denn viele Japaner wuerden sich wohl auch nicht oeffentlich so emotional dazu aeussern, das Gesicht muss gewahrt werden, dann koennen sie der deutschen Oeffentlichkeit auch nur ein falsches Bild von Japan vermitteln.

Ich moechte deshalb hier vielen Menschen eben auch anonym eine Moeglichkeit geben ihren wahren Gefuehlen Ausdruck zu verleihen. Vielleicht kommen wir so einem wahren Verstaendnis und wahrer Verstaendigung etwas naeher.